Ratgeber
Segelboot winterfest machen: Checkliste Schritt für Schritt
Wer sein Boot winterfest macht, schützt es bis zum Frühjahr vor Frost, Feuchtigkeit und Vernachlässigung. Die Kernaufgaben sind überall gleich: Motor warten und schützen, alle Wassersysteme entleeren oder frostsicher machen, die Batterien versorgen, Segel und Persenninge trocken von Bord bringen und für Luftzirkulation sorgen. Wie weit du gehst, hängt vom Klima ab und davon, ob das Boot im Wasser bleibt oder ins Winterlager an Land kommt.
Motor
Wechsle Öl und Ölfilter bei warmem Motor: Das Altöl läuft besser ab, und Säuren und Schmutz bleiben nicht den ganzen Winter im Motor. Tank voll, damit weniger Platz für Kondenswasser bleibt, und gib einen Stabilisator oder ein Biozid gegen Dieselpest dazu, wenn Motorhersteller oder Lieferant das empfehlen.
Schütz den Seewasserkreislauf vor Frost: Seeventil schließen und den laufenden Motor über den Seewasserfilter oder den Pumpeneinlass ein geeignetes Frostschutzmittel ansaugen lassen, bis es am Auspuff austritt. Nimm ein Mittel, das für deinen Motor freigegeben und umweltverträglich ist. Bei Motoren mit Zweikreiskühlung prüfst du, ob der Frostschutz im Kühlmittel für die Wintertemperaturen bei dir reicht.
Manche Handbücher empfehlen, den Impeller über den Winter auszubauen, damit sich die Flügel nicht verformen, andere nicht. Halte dich an deins und hinterlass einen gut sichtbaren Hinweis, damit niemand den Motor ohne Impeller startet.
Checkliste
- Öl und Ölfilter bei warmem Motor gewechselt
- Tank voll; Stabilisator oder Biozid, wo empfohlen
- Kraftstofffilter und Wasserabscheider geprüft oder gewechselt
- Seewasserkreislauf gespült und mit geeignetem Frostschutz gefüllt
- Frostschutzgehalt des Kühlmittels geprüft
- Impeller geprüft und ausgebaut, wenn das Handbuch es vorsieht
- Keilriemen auf Verschleiß und Risse geprüft; Spannung laut Handbuch
- Luftansaugung und Auspuff gegen Feuchtigkeit verschlossen, mit Zettel am Zündschloss
- Saildrive oder Außenborder laut Handbuch gewartet, inklusive Getriebeöl
Trinkwasser, WC und Fäkalientank
Wasser in Tanks, Leitungen, Pumpe und Boiler kann gefrieren und sie sprengen. Lass ab, was sich ablassen lässt, öffne die Wasserhähne und lass sie offen, und blas oder pump die Tiefpunkte leer. Reicht das nicht, nimm ein ungiftiges Frostschutzmittel für Trinkwassersysteme – niemals Kühlerfrostschutz fürs Auto.
Pump den Fäkalientank ab, spül das WC mit Süßwasser und danach mit einem geeigneten ungiftigen Frostschutz und schließ die Seeventile von WC und Spülen.
Checkliste
- Wassertanks entleert
- Boiler entleert oder abgetrennt und geschützt
- Wasserhähne offen, Pumpe und Filter entleert
- Fäkalientank abgepumpt und gespült
- WC gespült und mit ungiftigem Frostschutz geschützt
- Duschsumpf und Cockpitdusche entleert
Bilge und Batterien
Reinige und trockne die Bilge: Öl und Schmutz riechen, verstecken Lecks und erschweren die Kontrollen im Winter. Bleibt das Boot im Wasser, müssen Bilgepumpe und Schwimmerschalter den ganzen Winter funktionieren – teste sie und halte ihre Batterie geladen.
Lade die Batterien voll, bevor du gehst, denn eine volle Batterie verträgt Frost viel besser als eine leere. Dann klemmst du sie ab, nimmst sie mit nach Hause oder hängst sie an ein passendes Erhaltungsladegerät.
Checkliste
- Bilge gereinigt, getrocknet und auf Lecks geprüft
- Bilgepumpen und Schwimmerschalter getestet
- Batterien voll geladen
- Batterien abgeklemmt, ausgebaut oder am Erhaltungsladegerät
- Polklemmen gereinigt und geschützt
Segel, Persenninge und laufendes Gut
Schlag die Segel ab, spül salzige Segel nach Möglichkeit mit Süßwasser und leg sie erst zusammen, wenn sie ganz trocken sind – feuchte Segel schimmeln. Jetzt ist auch ein guter Zeitpunkt, sie vom Segelmacher prüfen oder reparieren zu lassen. Sprayhood, Bimini und Polster behandelst du genauso.
Viele Eigner ziehen die Fallen aus dem Mast und ersetzen sie durch dünne Vorholleinen. So bleiben die Fallen aus dem Wetter und schlagen nicht gegen den Mast. Wasch salzsteife Leinen und prüf sie auf Scheuerstellen.
Checkliste
- Segel abgeschlagen, trocken und eingelagert oder beim Segelmacher
- Sprayhood, Bimini und Persenninge gereinigt und getrocknet
- Fallen gegen Vorholleinen getauscht oder vom Mast weggebunden
- Schoten und Leinen gewaschen, getrocknet und geprüft
- Scheuerstellen und Reparaturen fürs Frühjahr notiert
Decksbeschläge, Belüftung und Abdeckung
Spül Winschen, Blöcke und Schienen mit Süßwasser ab und notier, welche Winsch eine Wartung braucht. Unter Deck ist Schimmel der größte Feind, also halte die Luft in Bewegung: Schapps und Türen öffnen, Polster hochkant stellen oder mitnehmen, Lebensmittel und nasse Kleidung von Bord holen und die Lüfter offen lassen.
Eine Winterplane hält Regen, Schnee und Schmutz ab, braucht aber Luft darunter und darf weder Gelcoat noch Rigg scheuern. Spann sie sturmfest ab.
Checkliste
- Winschen, Blöcke und Schienen gespült; Wartungen notiert
- Lebensmittel, Getränke und nasse Sachen von Bord
- Schapps, Bodenbretter und Türen offen; Polster hochkant oder an Land
- Lüfter offen; Luftentfeuchter nur, wo er sicher laufen kann
- Plane mit Luftzirkulation und ohne Scheuerstellen
Im Wasser oder an Land
Im Wasser: Festmacher doppelt und mit Scheuerschutz, zusätzliche Fender, Bilgepumpe mit Strom versorgt, und alle Seeventile zu – außer denen, die offen bleiben müssen, etwa für die Cockpitlenzer.
An Land: Prüf, ob Lagerbock oder Stützen stabil sind und die Auflagen an tragfähigen Stellen sitzen, öffne die Abläufe, damit sich kein Regenwasser sammelt, und nutz die Gelegenheit, Borddurchlässe, Opferanoden, Propeller und Ruder anzusehen. Liegt der Mast, lagerst du ihn auf ganzer Länge unterstützt und prüfst das Rigg, solange es auf Augenhöhe ist.
Egal, wo das Boot überwintert: Schau regelmäßig vorbei, vor allem nach Sturm oder starkem Frost, und kontrollier Bilge, Plane, Festmacher oder Stützen, Batterien und Anzeichen von Feuchtigkeit.
Checkliste
- Im Wasser: Festmacher doppelt, Scheuerschutz und Fender
- Im Wasser: Bilgepumpe mit Strom versorgt und getestet
- An Land: Lagerbock oder Stützen geprüft, Abläufe offen
- An Land: Rumpf, Opferanoden, Borddurchlässe und Propeller geprüft
- Regelmäßige Kontrollen geplant, auch nach Sturm und Frost
Dieser Ratgeber ist nur eine allgemeine Orientierung: Halte dich immer an das Handbuch des Herstellers und frag im Zweifel einen Rigger, Segelmacher oder Bootsmechaniker.