Ratgeber
Segel pflegen und lagern: so halten deine Segel länger
Segel gehen vor allem an drei Dingen kaputt: Sonne, Killen und Scheuern. Deck sie ab, wenn du nicht segelst, lass sie nicht länger schlagen als nötig, spül und trockne sie, bevor du sie wegpackst, und prüf sie regelmäßig auf Scheuerstellen und offene Nähte. So behalten sie länger ihr Profil, und kleine Reparaturen bleiben klein. Hier erfährst du, wie du Segel an Bord behandelst, reinigst, faltest, prüfst und einlagerst, wann sie zum Segelmacher sollten und wie lange Segel ungefähr halten.
Im Alltag: Killen, Sonne und UV-Schutz
Jede Minute, in der ein Segel killt, walkt das Tuch, bricht die Harzbeschichtung auf und lockert die Nähte. Setz und berg zügig, bleib nur so lange im Wind stehen wie nötig und lass kein Segel am Steg schlagen, während du die Leinen sortierst. Nach dem Segeln nimmst du die Spannung aus Fall und Unterliekstrecker, damit das Tuch nicht unter Last bleibt.
UV-Licht ist der leise Segelkiller: Es schwächt Tuch und Nähgarn, und Spinnaker und Gennaker aus Nylon sind noch empfindlicher als Polyester. Zieh die Großsegelpersenning über oder schließ den Lazybag, sobald das Groß unten ist. Bei einer Rollgenua schützt der UV-Schutzstreifen an Achterliek und Unterliek das übrige Segel – roll sie deshalb straff ein, sodass nur der Streifen außen liegt. Auch der Streifen verschleißt, bei viel Sonne oft schon nach wenigen Saisons, und ist viel günstiger zu erneuern als das Segel.
Checkliste
- Segel zügig gesetzt und geborgen, ohne langes Killen
- Spannung aus Fall und Unterliekstrecker genommen
- Persenning oder Lazybag zu, sobald das Groß unten ist
- Rollgenua straff aufgerollt, nur der UV-Schutzstreifen sichtbar
- Schoten ein paar Mal um die eingerollte Genua gelegt, damit sie in einer Bö nicht aufgeht
- Spinnaker und Gennaker nach dem Segeln eingepackt, nicht in der Sonne liegen gelassen
- Segel fern von scharfen Kanten, Splinten und rauen Beschlägen
- UV-Schutzstreifen auf brüchige oder eingerissene Stellen geprüft
Spülen, trocknen, dann falten oder rollen
Salzkristalle ziehen Feuchtigkeit an, machen das Tuch steif und scheuern in den Falten wie feines Schleifpapier. Spül salzige Segel deshalb mit Süßwasser, wann immer es geht, und auf jeden Fall, bevor sie länger eingelagert werden. Ein Gartenschlauch reicht, bei Schmutz dazu milde Seife und eine weiche Bürste. Hochdruckreiniger, Bleichmittel, Lösungsmittel und Waschmaschine sind tabu: Sie schaden Tuch, Beschichtung und Fenstern. Trockne das Segel danach vollständig, bei wenig Wind an Bord oder ausgebreitet auf einer sauberen, trockenen Fläche – aber nicht, indem du es im Wind trocken killen lässt. Feucht eingepackte Segel schimmeln, und Stockflecken gehen kaum wieder heraus.
Segel aus gewebtem Polyester (Dacron) legst du meist in Buchten: im Zickzack parallel zum Unterliek falten und das Paket dann locker rollen oder zusammenlegen. Verleg die Faltkanten ab und zu, damit die Knicke nicht immer an derselben Stelle liegen. Laminatsegel und Segel mit Fenstern rollst du besser, statt sie zu falten, denn scharfe Knicke schädigen Folie und Laminat. Spinnaker und Gennaker darfst du trocken locker in den Sack stopfen. Ein durchgelattetes Groß rollst du parallel zu den Latten; ob du die Lattenspannung fürs Winterlager lösen solltest, sagt dir dein Segelmacher.
Checkliste
- Salzige Segel mit Süßwasser gespült
- Schmutz mit milder Seife und weicher Bürste entfernt; kein Hochdruckreiniger, keine Bleich- oder Lösungsmittel
- Segel vor dem Einpacken ganz trocken, ohne sie dafür im Wind killen zu lassen
- Dacron-Segel parallel zum Unterliek in Buchten gelegt, Faltkanten wechseln
- Laminatsegel und Segel mit Fenstern gerollt, nicht gefaltet
- Durchgelattetes Groß parallel zu den Latten gerollt
- Segelsack groß genug, damit das Segel nicht gequetscht wird
- Segelsack mit Segel und Boot beschriftet
Prüfen: Scheuerstellen, Nähte und Lattentaschen
Sieh dir deine Segel ein paar Mal pro Saison gründlich an und jedes Mal, wenn du sie abschlägst. Breite das Segel aus oder schau es dir bei wenig Wind gesetzt an, und geh die Stellen durch, an denen Ärger meist anfängt: überall, wo das Segel am Rigg anliegt, an den hoch belasteten Ecken und entlang der Nähte. Das Nähgarn gibt meist vor dem Tuch auf, weil es obenauf liegt und die volle UV-Strahlung abbekommt: Lassen sich Stiche mit dem Fingernagel anheben oder durchreißen, sind sie hinüber.
Die Lattentaschen verdienen einen eigenen Blick. Die Latten drücken gegen das Taschenende, vor allem wenn das Segel killt, und durch ein durchgescheuertes Ende geht eine Latte schnell über Bord. Prüf Endkappen, Gummizüge und Verschlüsse und ob jede Latte heil ist und in der richtigen Tasche steckt. Markier Scheuerstellen sofort mit Tape oder einer Notiz, damit die kleine Reparatur erledigt ist, bevor eine große daraus wird.
Checkliste
- Scheuerstellen, wo das Segel an Salingen, Wanten, Bugkorb und Seezaun reibt
- Nähte, Flicken und Achterliek: kein gerissenes, abstehendes oder brüchiges Garn
- Ecken: Ringe, Gurtbänder und Verstärkungen an Kopf, Hals und Schothorn in Ordnung
- Lattentaschen: Enden, Kappen, Gummizüge und Verschlüsse heil; Latten nicht gebrochen
- Vorliek: Rutscher, Schlitten oder Liektau fest; kein Verschleiß durch Profilvorstag oder Mastnut
- Achterliekstrecker und seine Klemme funktionieren, nichts ausgefranst
- Reffkauschen, Reffbändsel und Reffverstärkungen in Ordnung
- UV-Schutzstreifen: kein brüchiges Tuch, keine offenen Nähte
- Fenster und Windfäden intakt
- Kleine Risse und Löcher bis zur Reparatur mit Segelreparaturtape abgeklebt
Wie lange halten Segel – und wann zum Segelmacher?
Eine feste Lebensdauer gibt es nicht. Sie hängt vom Material ab, von den Stunden unter Segel, davon, wie hart und in wie viel Sonne gesegelt wird, und von der Pflege. Als grobe Richtschnur hält ein Fahrtensegel aus gewebtem Dacron häufig etwa 5 bis 10 Saisons, bei schonender Nutzung und guter Pflege auch länger, unter tropischer Sonne oder im täglichen Charterbetrieb deutlich kürzer. Laminat-Regattasegel verlieren ihr bestes Profil oft schon nach wenigen Regattasaisons, taugen danach aber manchmal noch gut zum Fahrtensegeln. Nimm diese Zahlen als grobe Spanne und frag deinen Segelmacher, womit du bei deinen Segeln rechnen kannst.
Ausgedient hat ein Segel, wenn es sein Profil oder seine Festigkeit verloren hat. Ist das Profil hin, ist der Bauch nach achtern gewandert, das Segel ist sackig und lässt sich mit Fall, Unterliekstrecker und Achterstag nicht mehr flach trimmen, das Boot krängt stärker und wird luvgieriger, und das Achterliek flattert oder macht zu. Ist die Festigkeit hin, fühlt sich das Tuch weich und lappig an, reißt leicht, oder die Nähte gehen immer wieder auf. Ein Segelmacher sagt dir, ob sich Nachschneiden, ein neuer UV-Schutzstreifen oder eine Reparatur noch lohnt oder ob ein neues Segel fällig ist. Viele Eigner lassen ihre Segel jeden Winter durchsehen, wenig genutzte Segel alle paar Jahre.
Checkliste
- Bauch nach achtern gewandert, Segel wirkt sackig
- Mit Fall, Unterliekstrecker und Achterstag nicht mehr flach zu trimmen
- Mehr Krängung und Luvgierigkeit als früher bei gleichem Wind
- Achterliek flattert oder macht zu, auch mit richtig eingestelltem Achterliekstrecker
- Tuch weich und lappig oder leicht einzureißen
- Nähte gehen immer wieder auf, oder der UV-Schutzstreifen löst sich auf
- Segel jeden Winter vom Segelmacher durchgesehen, wenig genutzte alle paar Jahre
Segel im Winter lagern
Im Winter gehören die Segel von Bord. Eine Rollgenua am Vorstag bekommt weiter UV ab und kann sich im Wintersturm abwickeln und zerfetzen, und ein Groß auf dem Baum hält die Feuchtigkeit fest. Lagere die Segel sauber und ganz trocken an einem trockenen, kühlen und gut belüfteten Ort, nicht direkt auf dem Boden und weg von der Heizung. Ein feuchtes Boot, ein heißer Dachboden oder eine Garage mit Mäusen sind schlechte Plätze. Atmungsaktive Segelsäcke sind besser als verschlossene Plastiksäcke, in denen sich Kondenswasser sammelt.
Lagere die Segel locker gerollt oder gefaltet und stapel nichts Schweres darauf; lange Segelrollen liegen flach oder sind auf ganzer Länge unterstützt. Der Winter ist auch die ruhige Zeit der Segelmacher: Bring Segel, die repariert oder durchgesehen werden müssen, schon im Herbst hin, dann hast du sie vor Saisonbeginn zurück. Für den Rest des Boots hilft dir unsere Checkliste zum Winterfestmachen.
Checkliste
- Alle Segel von Bord, auch die Rollgenua
- Segel sauber, salzfrei und ganz trocken
- Trockener, kühler und belüfteter Lagerplatz, nicht auf dem Boden
- Atmungsaktive Säcke statt verschlossener Plastiksäcke
- Nichts Schweres obendrauf; lange Rollen auf ganzer Länge unterstützt
- Sicher vor Mäusen und anderen Nagern
- Segel für Reparatur oder Service im Herbst zum Segelmacher gebracht
- Jeder Sack beschriftet, Lagerort notiert
Segelinventar und Reparaturhistorie führen
Auf den meisten Booten gibt es mehr Segel, als man im Kopf hat: Groß, ein oder zwei Vorsegel, vielleicht eine Sturmfock, ein Spinnaker oder Gennaker und alte Segel als Reserve. Ein einfaches Segelinventar zeigt dir, was du hast, in welchem Sack welches Segel steckt und in welchem Zustand es ist – und erspart dir viel Raterei, wenn du ein neues Segel bestellst, einen Schaden bei der Versicherung meldest oder das Boot verkaufst.
Halte zu jedem Segel auch die Reparaturen fest: Datum, was gemacht wurde, welcher Segelmacher es war und was es gekostet hat. Nach ein paar Saisons siehst du, wann ein Segel mehr Reparaturkosten verursacht, als es noch wert ist.
Checkliste
- Segeltyp, z. B. Groß, Genua, Sturmfock oder Gennaker
- Segelmacher und Baujahr
- Segelfläche in m² und Tuch bzw. Material
- Segelsack und wo er gelagert ist
- Zustand und Datum der letzten Kontrolle
- Reparaturen: Datum, Arbeit, Segelmacher und Kosten
- Zugehörige Latten, Zeisinge und Ersatzteile
- Notizen, etwa für welchen Windbereich das Segel gedacht ist
Dieser Ratgeber ist nur eine allgemeine Orientierung: Halte dich immer an das Handbuch des Herstellers und frag im Zweifel einen Rigger, Segelmacher oder Bootsmechaniker.