Ratgeber
Wartungsplan fürs Segelboot: was wann fällig ist
Ein guter Wartungsplan sortiert jede Arbeit nach ihrem Wartungsintervall: kurze Checks vor jedem Törn, eine kleine Runde jeden Monat in der Saison, größere Arbeiten zu Saisonbeginn und -ende und Langzeitjobs wie stehendes Gut und Seeventile. Nimm den Plan unten als Ausgangspunkt und pass ihn an dein Boot, deine Segelpraxis und die Herstellerangaben an.
Vor jedem Törn
Diese Checks dauern etwa zehn Minuten und fangen die meisten Probleme ab, die einen Segeltag verderben. Mach sie zur Gewohnheit – oder druck die Liste aus und häng sie am Niedergang auf.
Checkliste
- Wetter und Tide für den ganzen Törn geprüft
- Motor: Ölstand, Kühlmittelstand, Keilriemenspannung, Seeventil fürs Kühlwasser offen
- Nach dem Start kommt Kühlwasser aus dem Auspuff
- Genug Diesel an Bord, mit Reserve für Gegenwind und den Heimweg unter Motor
- Bilge trocken oder nicht mehr Wasser als sonst; Bilgepumpe schaltet
- Wanten, Stagen und Splinte auf Sicht in Ordnung; keine losen Ringe an den Wantenspannern
- Fallen, Schoten und Reffleinen frei und unbeschädigt
- Rettungswesten, Lifebelts und Strecktaue an Bord und gewartet
- Navigationslichter, UKW-Funk und Instrumente funktionieren
- Gas: Schlauch und Druckregler in Ordnung, Ventil zu, wenn nicht gekocht wird
Monatlich bzw. regelmäßig in der Saison
In der Saison lohnt sich alle paar Wochen eine Stunde für eine gründlichere Runde. Was du am Steg findest, ist meist günstig zu beheben – auf See kostet dasselbe Problem deutlich mehr.
Checkliste
- Alle Seeventile bewegen: ganz auf und ganz zu, damit sie nicht festgehen
- Seewasserfilter reinigen, Motorraum auf Öl-, Diesel- und Wasserlecks prüfen
- Batterien: Ladezustand, Polklemmen fest und sauber
- Bilgepumpen testen, manuell und elektrisch, inklusive Schwimmerschalter
- Segel auf Scheuerstellen, offene Nähte und Schäden am UV-Schutzstreifen prüfen
- Winschen, Blöcke und Schienen mit Süßwasser abspülen; halten die Fallenstopper?
- Festmacher und Fender auf Scheuerstellen prüfen
- Manometer der Feuerlöscher und, falls vorhanden, den Gaswarner prüfen
Zum Saisonstart
Das Auswintern ist deine Chance, sauber in die Saison zu starten. Stand das Boot an Land, erledigst du alles unter der Wasserlinie, bevor es wieder ins Wasser kommt.
Nimm den Motor nach dem Winter mit Bedacht wieder in Betrieb: Öl und Kühlmittel prüfen, alles wieder einbauen, was du über den Winter ausgebaut hast (etwa den Impeller), und beim ersten Lauf auf Kühlwasserdurchfluss und Temperatur achten.
Checkliste
- Antifouling nach Herstellerangaben gestrichen oder ausgebessert
- Opferanoden geprüft und bei Bedarf erneuert
- Borddurchlässe und Seeventile geprüft; Schlauchschellen fest und ohne Korrosion
- Propeller, Welle, Wellenlager und Wellendichtung geprüft
- Ruder und Steuerung auf Spiel geprüft
- Stehendes Gut nach dem Maststellen geprüft und getrimmt
- Sicherheitsausrüstung geprüft: Rettungswesten, Wartungstermin der Rettungsinsel, Signalmittel, Erste-Hilfe-Set
- Trinkwassersystem gespült und desinfiziert
Zum Saisonende
Schreib am Saisonende alles auf, was dich unterwegs gestört hat, solange du es noch weißt. Diese Notizen werden die Aufgabenliste fürs nächste Jahr.
Dann geht es ans Einwintern. Unsere Checkliste zum Winterfestmachen führt Schritt für Schritt durch Motor, Wassersysteme, Batterien, Segel und Belüftung.
Checkliste
- Mängel und Wünsche aus der Saison notiert
- Teile mit langer Lieferzeit vor dem Frühjahrsansturm bestellt
- Segel abgeschlagen, bei Salz mit Süßwasser gespült, getrocknet und eingelagert oder beim Segelmacher
- Motor eingewintert, Öl gewechselt
- Boot gereinigt, trocken und gut belüftet fürs Winterlager
Einmal im Jahr
Manche Arbeiten hängen meist am jährlichen Kranen oder am Motorservice. Die üblichen Intervalle hängen von Betriebsstunden und Nutzung ab, also schau in die Handbücher von Motor und Ausrüstung.
Checkliste
- Motorservice: Öl und Ölfilter, Kraftstofffilter, Impeller und Keilriemen laut Handbuch
- Gründlicher Rigg-Check vom Masttopp bis zu den Püttingen
- Seeventile gewartet (gereinigt und gefettet, wo der Hersteller es vorsieht) und auf Korrosion geprüft
- Rumpf auf Osmoseblasen, Schäden und Risse an der Kielfuge geprüft
- Winschen gewartet: zerlegt, gereinigt und dünn gefettet
- Gasanlage geprüft; in manchen Ländern ist eine regelmäßige Prüfung Pflicht
- Rettungsinsel und Rettungswesten in den vom Hersteller vorgegebenen Abständen gewartet
Alle paar Jahre
Langzeitjobs vergisst man am leichtesten, weil an Bord niemand mehr weiß, wann sie zuletzt erledigt wurden. Genau deshalb gehören sie in eine schriftliche Wartungshistorie.
Das stehende Gut wird häufig nach etwa 10 bis 15 Jahren erneuert, und viele Versicherer haben eigene Altersgrenzen oder verlangen einen Rigg-Check – richte dich nach deiner Police und dem Rat eines Riggers. Laufendes Gut, Segel und Schläuche tauschst du nach Zustand, nicht nach Kalender.
Checkliste
- Professioneller Rigg-Check, vor allem vor langen Törns
- Stehendes Gut in dem Alter erneuert, das Rigger oder Versicherer empfehlen
- Seeventile und Borddurchlässe bei Verschleiß oder Korrosion erneuert
- Schläuche, Schellen und Einspritzbogen des Auspuffs nach Zustand erneuert
- Segel vom Segelmacher prüfen lassen; nachschneiden oder ersetzen, wenn das Profil nicht mehr steht
- Alte Antifouling-Schichten abtragen und neu aufbauen, wenn sie zu dick werden
- Kühlmittel im Intervall laut Motorhandbuch gewechselt
Dieser Ratgeber ist nur eine allgemeine Orientierung: Halte dich immer an das Handbuch des Herstellers und frag im Zweifel einen Rigger, Segelmacher oder Bootsmechaniker.