Ratgeber
Antifouling streichen: das Unterwasserschiff Schritt für Schritt
Antifouling hält Algen, Schleim und Seepocken vom Rumpf fern, damit das Boot schnell bleibt und die Borddurchlässe frei. Unterwasserschiff streichen, Schritt für Schritt: wann und wie oft, welches Antifouling passt, wie du sicher vorbereitest, wie viele Schichten nötig sind und worauf es an Wasserlinie, Antrieb, Propeller und Anoden ankommt. Das letzte Wort zu Intervallen, Temperaturen und Trockenzeiten hat immer das technische Datenblatt des Herstellers.
Wann und wie oft du Antifouling streichst
Die meisten Boote, die die ganze Saison im Wasser liegen, bekommen einmal im Jahr frisches Antifouling, meist im Frühjahr vor dem Einwassern. Manche selbstpolierenden Produkte sind für zwei Saisons ausgelegt, und in kaltem oder süßem Wasser mit wenig Bewuchs hält ein Anstrich je nach Produkt auch länger. Boote, die auf dem Trailer stehen und nur zum Segeln ins Wasser kommen, brauchen oft gar kein Antifouling.
Wie oft du Antifouling streichen musst, hängt außerdem von Wassertemperatur, Salzgehalt, Liegezeit und Geschwindigkeit des Boots ab. Am besten zeigt es dir das Unterwasserschiff beim Kranen: Ist es sauber und der Anstrich intakt, reicht vielleicht Ausbessern; hat sich früh Bewuchs festgesetzt oder schimmert der Primer durch, streichst du komplett neu.
Checkliste
- Üblicher Rhythmus: einmal im Jahr vor dem Einwassern, sofern das Datenblatt keine längere Standzeit nennt
- Arbeit geplant, wenn die Temperaturen zur Farbe passen, meist im Frühjahr
- Trockenzeit und eventuelle Höchstzeit bis zum Einwassern aus dem Datenblatt übernommen
- Beim Kranen abgespritzt, solange der Bewuchs noch weich ist
- Anstrich beim Kranen beurteilt: Bewuchs, kahle Stellen, Abplatzungen
- Alte Schichten abgetragen und neu aufgebaut, wenn sie zu dick werden oder abblättern
Welches Antifouling passt?
Hartantifouling bildet einen festen Film, der Biozid abgibt, aber selbst stehen bleibt. Es passt zu schnellen, Regatta- oder regelmäßig gereinigten Booten, baut sich aber über die Jahre auf, und manche Sorten verlieren ihre Wirkung, wenn das Boot nach dem Streichen zu lange an Land steht. Selbstpolierende Antifoulings tragen sich bei Fahrt langsam ab und legen dabei frisches Biozid frei; sie bauen weniger auf und passen gut zu Fahrtenbooten, vertragen aber kein Schrubben. Biozidfreie Alternativen sind etwa Silikonbeschichtungen (Foul-Release) oder harte Beschichtungen in Kombination mit regelmäßiger Reinigung oder einer Bootswaschanlage.
Welche Produkte du verwenden darfst, hängt vom Revier ab. Die Zulassungen unterscheiden sich von Land zu Land und oft nach Gewässerart: Auf manchen Binnenseen ist biozidhaltiges Antifouling ganz verboten, und in manchen Gebieten ist Kupfer eingeschränkt. Lies das Etikett und frag Hafen, Verein oder die zuständige Behörde. Achte außerdem darauf, dass das neue Antifouling zum alten passt: Hartantifouling hält auf weichem, selbstpolierendem Untergrund oft nicht.
Checkliste
- Geklärt, welche Produkte in deinem Land und auf deinem Gewässer zugelassen sind
- Produkt zugelassen für Salz-, Brack- oder Süßwasser, je nach Revier
- Hartantifouling für schnelle, Regatta- oder regelmäßig gereinigte Boote
- Selbstpolierendes Antifouling für Fahrtenboote
- Alurumpf und Antriebe: nur für Aluminium freigegebene Produkte – normales Kupfer-Antifouling scheidet damit meist aus
- Verträglich mit dem alten Anstrich, sonst Primer oder Sperrgrund laut Hersteller
- Menge aus Fläche des Unterwasserschiffs, Schichtzahl und Ergiebigkeit laut Datenblatt berechnet
Vorbereitung und Schutz
Antifouling-Staub und -Farbe sind giftig für dich und fürs Wasser, und alte Schichten können heute verbotene Stoffe enthalten, etwa zinnorganische (TBT-)Anstriche. Lies zuerst das Sicherheitsdatenblatt und trag, was es vorschreibt: meist Einweg-Schutzanzug, chemikalienbeständige Handschuhe, Schutzbrille und Atemschutz, mit Partikelfilter fürs Schleifen und Kombifilter gegen Dämpfe und Partikel für lösemittelhaltige Farbe.
Leg Planen unter den Rumpf, die Schleifstaub und Farbreste auffangen, und schleif nass oder mit Absaugung – viele Werften verbieten Trockenschleifen ohne. Entsorg Farbreste, Staub, Dosen, Rollen und Lappen nach den Regeln von Werft oder Gemeinde, meist als Sondermüll, und niemals über Gully, Boden oder Hafenbecken. Ein fester Altanstrich braucht nur Waschen, Entfetten und einen leichten Anschliff; abblätternde oder zu dicke Schichten werden abgekratzt, abgebeizt oder gestrahlt.
Checkliste
- Platzordnung gelesen: Schleifen, Waschen und Entsorgung
- Sicherheitsdatenblatt gelesen, passender Atemschutzfilter gewählt
- Einweg-Schutzanzug, Handschuhe und Schutzbrille
- Planen unter dem Rumpf
- Nassschliff oder Schleifer mit Absaugung
- Rumpf gewaschen, wo nötig entfettet und trocken; auf Osmoseblasen und Schäden geprüft
- Abfall nach den Regeln von Werft oder Gemeinde entsorgt
Antifouling auftragen
Streich auf trockenem Rumpf und bei Temperatur und Luftfeuchte im Bereich des Datenblatts. Als Faustregel sollte die Oberfläche mindestens 3 °C über dem Taupunkt liegen, also keine feuchten Morgenstunden, und hör rechtzeitig vor dem Abendtau auf. Rühr die Farbe gründlich auf, denn das Biozid setzt sich ab, und verdünn sie nur, wenn das Datenblatt es erlaubt. Wer selbst streicht, nimmt eine kurzflorige, lösemittelfeste Rolle und einen Pinsel für die Kanten; Spritzen überlässt du besser der Werft.
Üblich sind zwei Schichten rundum und eine zusätzliche an den Vorderkanten von Kiel und Ruder, am Bug und entlang der Wasserlinie, wo der Verschleiß am größten ist. Eine Kontrastfarbe für die erste Schicht zeigt dir später, wann die Deckschicht durch ist. Halte Überstreichzeiten und Trockenzeit bis zum Einwassern ein, und streich die Stellen unter Pallstützen und Lagerbock, bevor das Boot ins Wasser geht.
Checkliste
- Rumpf trocken, im Bereich des Datenblatts und über dem Taupunkt
- Farbe gründlich aufgerührt; nur verdünnt, wenn das Datenblatt es erlaubt
- Primer oder Sperrgrund auf blankem oder unverträglichem Untergrund
- Erste Schicht, am besten in Kontrastfarbe
- Zweite Schicht innerhalb der Überstreichzeit
- Zusätzliche Schicht an den Vorderkanten von Kiel und Ruder, am Bug und an der Wasserlinie
- Stellen unter Stützen und Auflagen vor dem Einwassern gestrichen
Wasserlinie, Antriebe, Propeller und Anoden
Bewuchs wächst direkt unter der Wasserlinie am schnellsten, weil dort das meiste Licht hinkommt. Kleb die Oberkante mit geeignetem Klebeband ab und zieh es so ab, wie der Hersteller es empfiehlt, dann wird die Kante sauber. Wächst der Bewuchs über das Antifouling hinaus, etwa weil das Boot mit Fahrtenausrüstung tiefer liegt, setz die Linie ein paar Zentimeter höher.
Saildrives und Z-Antriebe sind meist aus Aluminium, und normales Kupfer-Antifouling auf blankem Aluminium kann starke Korrosion auslösen. Nimm deshalb Primer und Antifouling, die der Antriebshersteller freigibt. Auf einem drehenden Propeller hält Antifouling selten: Nimm eine spezielle Propellerbeschichtung oder halte ihn sauber und poliert. Streich nie die Opferanoden, denn mit Farbe darauf wirken sie nicht mehr, und frag vor dem Streichen von Echolot- oder Loggeber den Gerätehersteller.
Checkliste
- Wasserlinie abgeklebt; Band so abgezogen, wie sein Hersteller es empfiehlt
- Wasserlinie etwas höher gesetzt, wenn der Bewuchs darüber reichte
- Saildrive oder Z-Antrieb: Primer und Antifouling mit Freigabe des Antriebsherstellers
- Propeller gereinigt und beschichtet oder poliert
- Opferanoden ungestrichen; bei etwa halber Abnutzung oder laut Hersteller erneuert
- Anodenmaterial passend zu Salz-, Brack- oder Süßwasser, wie der Hersteller es empfiehlt
- Echolot- und Loggeber nach Herstellerangabe behandelt; Einlässe frei von Farbe
Alles dokumentieren
Beim nächsten Anstrich muss jemand genau wissen, was auf dem Rumpf ist, um ein verträgliches Produkt zu wählen – und Käufer oder Gutachter fragen auch danach. Notier beim Kranen, wie sich der Anstrich gehalten hat, und mach ein paar Fotos: Nach ein paar Saisons weißt du, welches Produkt in deinem Revier funktioniert und wann es Zeit ist, alles abzutragen.
Checkliste
- Datum des Anstrichs und des Einwasserns
- Produktname, Typ, Farbe und Chargennummer
- Verwendeter Primer oder Sperrgrund, falls vorhanden
- Anzahl der Schichten und wo die zusätzlichen Schichten hinkamen
- Verbrauchte Menge und Wetter am Tag des Anstrichs
- Propellerbeschichtung und erneuerte Anoden
- Bewuchs und Zustand des Anstrichs beim Kranen, mit Fotos
- Datenblatt und Belege aufbewahrt
Dieser Ratgeber ist nur eine allgemeine Orientierung: Halte dich immer an das Handbuch des Herstellers und frag im Zweifel einen Rigger, Segelmacher oder Bootsmechaniker.