Ratgeber

Sicherheitsausrüstung am Segelboot prüfen: die Checkliste

Sicherheitsausrüstung liegt die meiste Zeit gut verstaut in der Backskiste – und genau deshalb gerät sie in Vergessenheit, bis du sie brauchst. Prüf sie zu jedem Saisonstart, schau vor längeren Törns noch einmal drauf und lass alles, was eine Fachwartung braucht, in den Abständen warten, die der Hersteller vorgibt. Was du an Bord haben musst, hängt davon ab, wo und wie du segelst: Die Vorschriften unterscheiden sich je nach Land und bei Regatten je nach Kategorie (z. B. die Offshore Special Regulations von World Sailing). Auch Vercharterer und Versicherer haben oft eigene Vorgaben – klär also, was für dich gilt.

Automatik-Rettungswesten prüfen und warten

Eine automatische Rettungsweste funktioniert nur, wenn die Gaspatrone voll und die Auslöseautomatik einsatzbereit ist – beides prüfst du in wenigen Minuten. Öffne die Hülle und kontrollier, ob die CO2-Patrone handfest eingeschraubt, nicht korrodiert und unbenutzt ist; ist ihr Gewicht aufgedruckt, wieg sie nach. Prüf das Ablaufdatum der Auslöseautomatik bzw. ihrer Auslösetablette, und hat die Automatik Sichtanzeigen, müssen sie auf einsatzbereit stehen.

Einmal pro Saison steht die Dichtigkeitsprüfung an: Blas die Weste über das Mundventil auf – nie mit der Gaspatrone –, lass sie mehrere Stunden oder über Nacht liegen und prüf, ob sie noch prall ist. Danach lässt du die Luft ab und packst sie so wieder zusammen, wie es die Anleitung beschreibt. Zusätzlich zu deinen eigenen Checks gehört die Weste in den Abständen, die der Hersteller vorgibt, zur Wartung beim Hersteller oder bei einer autorisierten Servicestation.

Checkliste

  • CO2-Patrone handfest eingeschraubt, unbenutzt und ohne Korrosion
  • Patrone nachgewogen, wenn das Gewicht aufgedruckt ist
  • Auslöseautomatik bzw. Auslösetablette nicht abgelaufen; Sichtanzeige auf einsatzbereit, wo vorhanden
  • Zuggriff für die manuelle Auslösung gut erreichbar und nicht verheddert
  • Dichtigkeitsprüfung: mit dem Mund aufgeblasen, nach mehreren Stunden oder über Nacht noch prall
  • Auftriebskörper, Hülle und Nähte ohne Scheuerstellen, UV-Schäden und Schimmel
  • Schrittgurte, Schnallen, Spritzschutzhaube, Licht und Pfeife in Ordnung
  • Passendes Rearming-Kit fürs Westenmodell an Bord
  • Jedes Crewmitglied hat eine passende Weste und kann sie anlegen
  • Wartung in den vom Hersteller vorgegebenen Abständen

Lifebelt, Strecktaue und MOB-Ausrüstung

Lifebelt, Lifeline und Strecktaue halten dich an Bord – prüf sie also wie tragende Teile. Kontrollier Gurtband und Nähte auf Scheuerstellen, Schnitte und UV-Ausbleichung und teste, ob jeder Karabinerhaken sauber öffnet, schließt und von selbst verriegelt. Eine Lifeline, die einen harten Sturz abgefangen hat oder deren Überlastanzeige ausgelöst hat, wird ersetzt. Strecktaue aus Gurtband leiden unter der Sonne, deshalb nehmen viele Segler sie ab, wenn sie nicht gebraucht werden. Prüf auch die Endbeschläge und die Decksbeschläge, an denen sie befestigt sind.

Geht doch jemand über Bord, brauchst du Ausrüstung, die sofort einsatzbereit ist, und einen Weg, die Person wieder an Bord zu holen. Hufeisen-Rettungsboje mit Licht, Wurfleine und Danboje gehören in Reichweite des Rudergängers und dürfen nicht so fest verzurrt sein, dass sie im Ernstfall keiner schnell losbekommt. Übe das Mensch-über-Bord-Manöver mit deiner Crew – inklusive Bergung.

Checkliste

  • Gurtband und Nähte des Lifebelts ohne Scheuerstellen, Schnitte und UV-Ausbleichung
  • Karabinerhaken öffnen, schließen und verriegeln von selbst; keine Korrosion
  • Lifeline nach einem harten Sturz oder bei ausgelöster Überlastanzeige ersetzt
  • Strecktaue unbeschädigt, Enden sicher, Decksbeschläge in Ordnung
  • Feste Einpickpunkte am Niedergang und im Cockpit erreichbar
  • Hufeisen-Rettungsboje und Rettungsleuchte klar zum Einsatz; Batterie der Leuchte nicht abgelaufen
  • Wurfleine ohne Kinken und klar zum Werfen
  • Danboje komplett, Flagge und Licht in Ordnung; aufblasbare Modelle laut Hersteller gewartet
  • Bergehilfe an Bord: Badeleiter, Talje oder Bergeschlinge
  • MOB-Manöver mit der Crew geübt

Rettungsinsel: Wartung und Stauung

Eine Rettungsinsel ist verpackt und versiegelt, ins Innere kannst du also nicht selbst schauen. Sie muss in den Abständen, die der Hersteller vorgibt, bei einer autorisierten Servicestation gewartet werden – je nach Modell jährlich oder alle paar Jahre. Den nächsten Wartungstermin findest du meist auf einem Aufkleber am Container oder an der Tasche und auf dem letzten Wartungszertifikat. Melde die Insel rechtzeitig an, denn vor der Saison haben die Stationen viel zu tun.

Zwischen den Wartungen kümmerst du dich um das Äußere: Container oder Tasche unbeschädigt, Halterung und Zurrgurte in Ordnung, die Reißleine an einem festen Punkt am Boot belegt. Hat die Insel einen hydrostatischen Auslöser, prüf sein Ablaufdatum und ob er so montiert ist, wie es die Anleitung zeigt. Und wisse, welches Notpaket in deiner Insel steckt, damit du das Fehlende in einen Notfallbeutel (Grab Bag) packen kannst.

Checkliste

  • Nächster Wartungstermin bekannt – vom Aufkleber oder vom letzten Wartungszertifikat
  • Wartung bei einer autorisierten Servicestation angemeldet, wie vom Hersteller vorgegeben
  • Container oder Tasche unbeschädigt, Siegel intakt
  • Halterung und Zurrgurte fest; Schnellverschluss funktioniert
  • Reißleine an einem festen Punkt am Boot belegt
  • Hydrostatischer Auslöser, wo vorhanden, nicht abgelaufen und richtig montiert
  • Inhalt des Notpakets bekannt; Grab Bag mit dem Fehlenden gepackt
  • Crew weiß, wo die Insel liegt und wie sie zu Wasser gelassen wird

Signalmittel, EPIRB und PLB

Pyrotechnische Seenotsignalmittel tragen ein aufgedrucktes Verfallsdatum. Ersetz sie, bevor es abläuft, und lagere sie trocken in einem wasserdichten Behälter, an den du schnell herankommst. Abgelaufene Signalmittel sind Sprengstoff, kein Müll: nicht zur Übung abbrennen, nicht in den Hausmüll und niemals über Bord werfen. Ein Notsignal ohne Notfall kann einen Rettungseinsatz auslösen und ist in vielen Ländern verboten. Frag deinen Händler oder Lieferanten oder die zuständigen Behörden, wie du sie bei dir richtig entsorgst.

Eine EPIRB oder PLB braucht eine Batterie innerhalb ihres Ablaufdatums und eine gültige Registrierung, damit die Retter wissen, wem die Bake gehört. Prüf das Batteriedatum auf dem Aufkleber, mach den Selbsttest nur so, wie es das Handbuch beschreibt, und lass die Batterie bei einem autorisierten Service tauschen, wo der Hersteller das vorschreibt. Registrier die Bake bei der zuständigen Behörde des Landes, für das sie codiert ist, und halte die Daten aktuell, wenn sich Boot, Telefonnummer oder Notfallkontakte ändern. Hat die EPIRB einen hydrostatischen Auslöser, prüf auch dessen Datum.

Checkliste

  • Alle Signalmittel innerhalb ihres Verfallsdatums
  • Signalmittel trocken, wasserdicht und griffbereit gelagert
  • Crew kennt die Handhabung jedes Signalmittels und hat die Anleitung gelesen
  • Abgelaufene Signalmittel ordnungsgemäß abgegeben – nie abgebrannt oder versenkt
  • Batterien von EPIRB und PLB nicht abgelaufen
  • Selbsttest laut Handbuch gemacht
  • Bake registriert, mit aktuellen Daten zu Eigner, Boot und Notfallkontakten
  • Hydrostatischer Auslöser der EPIRB, wo vorhanden, nicht abgelaufen
  • EPIRB schnell greifbar; PLB am Körper oder in Reichweite

Feuerlöscher, Löschdecke und Gaswarner

Prüf jeden Feuerlöscher: Das Manometer, wo vorhanden, steht im grünen Bereich, Sicherungsstift und Plombe sind intakt, und das Gehäuse hat keine Dellen oder Korrosion. Montier die Löscher so, dass du sie auf dem Weg aus der Kajüte und vom Cockpit aus erreichst – nicht hinten in der Backskiste. Manche Hersteller empfehlen, Pulverlöscher ab und zu umzudrehen, damit sich das Pulver nicht verdichtet. Lass sie in den Abständen prüfen oder ersetzen, die der Hersteller oder die Vorschriften in deinem Land vorgeben, und nach jedem Gebrauch sowieso.

Die Löschdecke gehört in die Pantry, und zwar so, dass du sie greifen kannst, ohne über den Herd zu langen. Teste den Gaswarner mit der Testtaste, wie es die Anleitung beschreibt. Sein Sensor sitzt tief, weil Flüssiggas schwerer als Luft ist und sich in der Bilge sammelt. Sensoren halten nicht ewig, also tausch sie, wenn der Hersteller es vorgibt. Hast du Motor, Heizung oder Kocher an Bord, lohnt sich zusätzlich ein CO-Melder.

Checkliste

  • Manometer der Feuerlöscher im grünen Bereich, wo vorhanden
  • Sicherungsstift und Plombe intakt; keine Dellen oder Korrosion
  • Löscher in Reichweite der Ausgänge und vom Cockpit aus montiert
  • Nächster Prüf- oder Austauschtermin bekannt, laut Hersteller oder Vorschriften
  • Benutzte Löscher ersetzt oder neu befüllt
  • Löschdecke in der Pantry, greifbar ohne über den Herd zu langen
  • Gaswarner getestet; Sensor tief montiert und innerhalb seiner Lebensdauer
  • CO-Melder eingebaut und getestet
  • Gasventil an der Flasche zu, wenn nicht gekocht wird

Erste-Hilfe-Set und deine Liste der Ablaufdaten

Geh zu Saisonbeginn das Erste-Hilfe-Set durch. Ersetz, was verbraucht oder abgelaufen ist, vor allem Medikamente und sterile Verbandsmittel, und bewahr alles in einer wasserdichten Box auf, die jeder an Bord findet. Wie umfangreich die Bordapotheke sein sollte, hängt davon ab, wie weit du von Hilfe entfernt segelst: Für einen Tagestörn an der Küste reicht weniger als für einen Offshore-Törn. Ein Erste-Hilfe-Kurs ist dabei genauso wichtig wie das Set selbst.

Sicherheitsausrüstung steckt voller Termine: Westenwartung und Auslösetabletten, Inselwartung, Signalmittel, Batterien und Registrierung der Baken, Feuerlöscher und Gassensoren. Führ sie alle in einer Liste – mit Gegenstand, Stauort, Seriennummer und nächster Fälligkeit – und geh sie vor jeder Saison und vor längeren Törns durch. Bestell Ersatz rechtzeitig.

Checkliste

  • Erste-Hilfe-Set vollständig; Verbrauchtes ersetzt
  • Medikamente und Sterilgut nicht abgelaufen
  • Set in einer wasserdichten Box, die die ganze Crew findet
  • Mittel gegen Seekrankheit an Bord; Crew hat persönliche Medikamente dabei
  • Erste-Hilfe-Anleitung an Bord; idealerweise jemand mit Erste-Hilfe-Kurs
  • Liste der Ablaufdaten: Gegenstand, Stauort, Seriennummer, nächste Fälligkeit
  • Liste vor jeder Saison und vor längeren Törns geprüft

Dieser Ratgeber ist nur eine allgemeine Orientierung: Halte dich immer an das Handbuch des Herstellers und frag im Zweifel einen Rigger, Segelmacher oder Bootsmechaniker.

Mit KeelBase im Griff

Sicherheitstermine in KeelBase im Blick

Leg deine Sicherheitsausrüstung in KeelBase als Komponenten an, etwa Rettungswesten, Rettungsinsel, EPIRB, Signalmittel und Feuerlöscher – jeweils mit Position im Bootsplan, damit die Crew weiß, wo alles verstaut ist. Halte für jede Komponente die letzte und nächste Wartung fest, trag jeden Check in die Wartungshistorie ein und mach aus anstehenden Wartungen Aufgaben, die du an die Crew verteilst. Neue Signalmittel oder Rearming-Kits kommen auf die Einkaufsliste des Boots und gehen zur Freigabe.

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