Ratgeber

Rigg prüfen: wie oft und worauf du achten musst

Prüf das Rigg kurz und oft, einmal im Jahr gründlich, und lass es alle paar Jahre oder vor einem langen Törn von einem Profi checken. Die meisten Riggschäden kündigen sich vorher an: ein gebrochener Draht, ein Haarriss am Terminal oder ein fehlender Splint. Hier erfährst du, was du wann prüfst und worauf du achtest.

Wie oft du das Rigg prüfen solltest

Bewährt hat sich ein Rhythmus in drei Stufen: ein kurzer Sichtcheck vor dem Ablegen und regelmäßig in der Saison; eine gründliche Kontrolle einmal im Jahr, am besten mit einem Gang in den Mast oder bei gelegtem Mast; und ein professioneller Rigg-Check durch einen Rigger in den Abständen, die er empfiehlt – häufig alle paar Jahre und vor jedem langen Offshore-Törn.

Prüf das Rigg außerdem nach allem Ungewöhnlichen, etwa nach einem Knockdown, bei dem der Mast ins Wasser kam, einer harten Grundberührung oder einer Kollision.

Checkliste

  • Vor dem Ablegen: kurzer Sichtcheck vom Deck aus
  • In der Saison: genauer Blick auf Terminals, Bolzen und Wantenspanner
  • Einmal im Jahr: gründliche Kontrolle vom Masttopp bis zu den Püttingen
  • Alle paar Jahre und vor langen Törns: Rigg-Check durch einen Rigger
  • Nach Knockdown, Grundberührung oder Kollision: erst prüfen, dann weitersegeln

Wann das stehende Gut erneuert wird

Edelstahldraht und Stangenrigg verschleißen nicht sichtbar – sie ermüden. Deshalb wird stehendes Gut nach Alter und nicht nur nach Zustand getauscht. Für Drahtrigg werden häufig etwa 10 bis 15 Jahre genannt, für Boote, die hart, offshore oder in heißen Revieren gesegelt werden, eher weniger.

Viele Versicherer haben eigene Vorgaben, etwa ein Höchstalter fürs Rigg oder einen aktuellen Rigg-Check, und manche schränken den Versicherungsschutz bei älteren Riggs ein. Prüf deine Police und heb Nachweise auf, wann das Rigg erneuert oder geprüft wurde.

Checkliste

  • Wissen, wann das stehende Gut zuletzt erneuert wurde
  • Vorgaben des Versicherers zu Riggalter und Rigg-Check prüfen
  • Rechnungen und Prüfberichte bei den Bootsunterlagen aufbewahren

Wanten, Terminals und Wantenspanner

Geh jedes Want und jedes Stag ab. Fahr mit einem Tuch oder einem Handschuh am Draht entlang: Ein gebrochener Draht bleibt sofort hängen (Vorsicht, die sind scharf). Am wichtigsten sind die Enden. Walzterminals reißen oft genau dort, wo der Draht hineinläuft, und Rostspuren oder austretende Feuchtigkeit sind dort ein Warnsignal.

Checkliste

  • Keine gebrochenen, geknickten oder aufgedrehten Drähte
  • Keine Haarrisse an den Walzterminals (Lupe nehmen; im Zweifel Farbeindringprüfung)
  • Keine Rostspuren an den Terminals
  • Wantenspanner gerade, Gewinde sauber, mit Splint oder Kontermutter gesichert
  • Splinte und Ringsplinte vorhanden, nicht scharf umgebogen, Enden abgeklebt
  • Toggles, wo nötig, damit die Beschläge frei beweglich sind

Püttinge, Mastfuß und Salinge

Die Püttinge leiten die volle Last in den Rumpf. Achte auf Risse, Rost und Bewegung und kontrollier unter Deck, ob es rundherum Wasserflecken oder weiches Holz gibt, denn undichte Püttinge können unbemerkt korrodieren. Am Mastfuß suchst du nach Korrosion, Stauchung und Rissen; bei einem durchgesteckten Mast prüfst du auch Mastdurchführung und Keile.

Die Salinge müssen fest sitzen und im richtigen Winkel stehen, meist so, dass sie den Winkel des Wants an der Salingnock halbieren. Prüf die Salingnocken auf Scheuerstellen und ob die Wanten richtig darin liegen.

Checkliste

  • Püttinge ohne Risse, Rost und Bewegung
  • Unter Deck keine Lecks oder Feuchtigkeit an den Püttingen
  • Mastfuß und Mastdurchführung in Ordnung, ohne Korrosion oder Risse
  • Salinge fest, im richtigen Winkel, Nocken geschützt
  • Salingwurzeln und Mastbeschläge ohne Risse

Masttopp, Scheiben und laufendes Gut

Im Masttopp prüfst du, ob die Scheiben frei laufen, nicht gerissen oder eingelaufen sind und ihre Achsbolzen sicher sitzen. Wenn du schon oben bist: Beschläge von Vorstag und Achterstag, Windmesser, Antenne und Lichter gleich mit ansehen.

Fallen scheuern dort, wo sie über Scheiben, durch Fallenstopper und am Schäkel laufen. Prüf den Mantel auf Verschleiß und den Kern auf flache Stellen, und dreh ein Fall rechtzeitig um oder kürz es, bevor der Mantel durch ist. Kontrollier auch die Schäkel und ihre Sicherung und ob die Rollreffanlage leicht dreht.

Checkliste

  • Scheiben laufen frei, ohne Risse oder Abflachungen
  • Beschläge und Bolzen im Masttopp gesichert
  • Fallen ohne Scheuerstellen an Scheiben, Fallenstoppern und Schäkeln
  • Schäkel mit Draht oder Takling gesichert
  • Rollreffanlage dreht leicht; Trommel und Wirbel laut Handbuch gewartet
  • Baum, Lümmelbeschlag und Baumniederholer geprüft

Sicher bleiben beim Prüfen

In den Mast zu gehen ist gefährlich. Nimm einen ordentlichen Bootsmannsstuhl oder Klettergurt, ein zweites Fall als Sicherung und eine erfahrene Person an der Winsch. Wenn du dich unsicher fühlst oder dir etwas komisch vorkommt, ruf einen Rigger – und segle nicht mit einem Rigg, dem du nicht traust.

Dieser Ratgeber ist nur eine allgemeine Orientierung: Halte dich immer an das Handbuch des Herstellers und frag im Zweifel einen Rigger, Segelmacher oder Bootsmechaniker.

Mit KeelBase im Griff

Dein Rigg in KeelBase dokumentieren

Leg dein Rigg in KeelBase als Komponenten an, etwa Wanten, Stagen, Rollreffanlage, Mast und Baum, jeweils mit Position im Bootsplan, Status und Wartungsterminen. Trag jede Kontrolle und jeden Austausch in die Wartungshistorie ein, dann hast du Riggalter und letzten Check für den Versicherer oder den nächsten Eigner sofort zur Hand. Gefundene Mängel werden zu Aufgaben, die du zuweisen und bis zum Ende verfolgen kannst.

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